Christen in Deutschland

Von den knapp 82 Millionen Einwohnern Deutschlands sind ca. 51 Millionen getaufte Mitglieder der Kirchen; 25 Mill. sind evangelische Christen, ebenfalls 25 Mill. gehören zur Römisch-katholischen Kirche, ca. 300.000 Menschen sind orthodoxe Christen, ca. 600.000 Menschen gehören Freikirchen oder anderen christlichen Kirchen an.

20 einzelne evangelische Landeskirchen in Deutschland haben sich zur Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) zusammen geschlossen. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers ist mit 2,9 Millionen Mitgliedern die größte von ihnen.

Luther
M. Luther, Gemälde von Lucas Cranach d. Ä.

Die Kirchen seit der Reformation

Bis ca. 1530 n. Chr. gab es in Deutschland nur die Katholische Kirche mit dem Papst in Rom an ihrer Spitze. Damals hat ein Mönch und Theologie-Professor mit dem Namen Martin Luther (1483 – 1546) viele Mißstände der Kirche aufgedeckt und eine grundlegende Erneuerung gefordert. Die daraus folgenden Entwicklungen haben in Deutschland sowohl unter den Christen als auch in den politischen Verhältnissen zu großen Veränderungen geführt. Diese geschichtliche Epoche bezeichnet man mit dem Begriff 'Reformation'.

Die drei wichtigsten Forderungen M. Luthers lauteten:

  • Was Wahrheit ist, kann allein aus der Bibel heraus begründet werden.
  • Ein Christ ist ein freier Mensch vor Gott.
  • Kirche darf keine weltliche oder staatliche Macht beanspruchen.

Da diese Forderungen Martin Luthers in kurzer Zeit in ganz Deutschland viele Anhänger fanden, sah die katholische Kirche ihre damalige Machtposition grundsätzlich in Frage gestellt und bedrohte Martin Luther mit dem Tod. Deshalb waren die Anhänger Martin Luthers genötigt, eine neue unabhängige Kirche zu gründen. Aus diesen Anfängen haben sich dann die evangelischen Landeskirchen gebildet. Sie verteilen sich heute über ganz Deutschland und umfassen unterschiedlich große Gebiete. Die Landeskirche Hannovers erstreckt sich über die größten Teile des Bundeslandes Niedersachsen; weitere große evangelische Kirchen sind die Landeskirchen in Bayern, im Rheinland, in Westfalen, in Württemberg und in Norddeutschland.

Überall in Deutschland leben heute evangelische und katholische Christen in guter Nachbarschaft. Die feindlichen Streitigkeiten vor 500 - 400 Jahren haben sich in eine Zusammenarbeit in gegenseitigem Respekt verwandelt. Die größten Unterschiede zwischen beiden Kirchen bestehen heute darin, dass die evangelischen Kirchen demokratischer organisiert sind und dass Frauen und Männer in ihnen gleichberechtigt sind.

Mitgliedschaft durch Taufe

Mitglied in den evangelischen Landeskirchen und in der katholischen Kirche wird man durch die Heilige Taufe. Die meisten Kirchen in Deutschland erkennen gegenseitig ihre Taufe an. Das bedeutet: wer getauft ist, kann selber wählen, ob er in einer evangelischen Landeskirche oder in einer anderen Kirche Mitglied sein will. Wenn man sich nicht anders entscheidet, wird man durch die Taufe automatisch Mitglied in der Kirche, in deren Gebiet man wohnt. Wer also evangelisch getauft wird, wird zunächst Mitglied in der evangelischen Landeskirche, die für seinen Wohnort zuständig ist.